Rennsteiglauf

Der Rennsteiglauf ist nach eigenen Angaben der größte europäische Crosslauf. Dieses Jahr konnte die Veranstaltung, mit rund 7000 Halbmarathonis, über 3000 Marathonis, etlichen Walkern und Wanderern und mehr als 2000 Ultramarathonis eine Rekordbeteiligung vermelden - entgegen dem allgemeinen leicht rückläufigen Trend der Teilnehmerzahlen. So viele Läufer auf einem Haufen - da wollte ich auch dabei sein :-)

Bereits mehrere Wochen erhielt ich einen Anruf von Karl-Ernst Rösner, einem mir bis dahin unbekannten Läufer, der in der Starterliste gesehen hatte, dass ich in der Nähe wohne und mir eine Mitfahrgelegenheit anbot. Karl-Ernst läuft seit dreißig Jahren und hat in der Zeit bereits mehr als 400 Marathons und Ultras absolviert. Mit seinen 71 Jahren ging er zuversichtlich an den Start seines neunten Rennsteig-Supermarathons (so heißt hier die Ultradistanz). Gegen so eine geballte Erfahrung komme ich dann wieder wie der totale Rookie vor...

Am Freitag fuhren wir nach Eisenach, holten uns unsere Unterlagen ab und bezogen unser Quartier in einer Schule. Danach gingen wir wieder zurück in die Stadt, um an der Kloßparty - dem dortigen Pendant zur Pastaparty - teilzunehmen.

Samstag früh um sechs(!) startete die wilde Meute vom Eisenacher Marktplatz aus auf die 72,7 Kilometerdistanz. Auf den ersten sieben Kilometern war das Feld noch so gedrängt, dass ein freies Laufen nicht möglich war. Die heftigen Regengüsse der vorhergegangenen Nacht hatten den Boden aufgeweicht und riesige Pfützen hinterlassen, auch deswegen wurde das gesamte Feld (mit Ausnahme der Spitzenläufer natürlich) zweimal kurz zum Schritttempo gezwungen.

Nach dem ersten Verpflegungsstand etwa bei Kilometer 7 geht die Strecke dann auf den eigentlichen Rennsteig. Bis Kilometer 25 geht es in einer leichten Zickzacklinie nach oben bis auf den Großen Inselberg, auf dem wir uns durch leichten Nebel (oder tiefhängende Wolken?) bewegten. Den großen, langen Anstieg über rund 700 Höhenmeter hatten wir jetzt hinter uns. Nun führt die Strecke immer wieder auf un ab durch den Thüringer Wald. Das ist nicht nur eine geografische Bezeichnung, sondern auch eine Beschreibung der Landschaft: mehr als Wald war so gut wie nicht zu sehen. In Oberhof läuft man an der Ski-Arena vorbei, aber das wars dann auch schon - ansonsten Bäume, nix als Bäume und zwischendurch mal ein bisschen Ausblick.

Der Untergrund besteht fast ausschließlich aus Forstwirtschaftswegen, die zum Teil derbe ausgewaschen waren, so dass man über eine Schottertrasse lief - akute Umknickgefahr! Häufig musste man im Zickzack um die Pfützen laufen, vereinzelt deshalb auch den Weg verlassen und einen Haken durch den Wald schlagen.

Die letzten 10 Kilometer geht es denn leicht abwärts und man läuft dem Ziel in Schmiedefeld entgegen. Leider sind nur die ersten 10 und die letzten 3 Kilometer einzeln ausgeschildert (der Rest in Fünferschritten), so dass ich schlecht abschätzen konnte, welche Zielzeit möglich ist. Wäre die Kilometrierung ausführlicher gewesen, dann hätte ich vielleicht noch etmas mehr Dampf gemacht und wäre noch unter 7 Stunden ins Ziel gekommen. Aber auch so war ich im Ziel total k.o., aber höchst zufrieden mit dem Ergebnis. Nur zwei Wochen nach meiner Marahon-Bestzeit hier so durchzuflitzen - damit hätte ich nie gerechnet!

Der Zielbereich ist sehr groß und darauf angelegt, dass Läufer und Begleiter/Zuschauer gemeinsam feiern können: ein kleiner Bereich direkt hinter der Ziellinie, in dem die Läufer verschnaufen und Flüssigkeit nachtanken können, und danach geht's in den großen Bereich, in dem nicht nur die Kleiderbeutelausgabe und die Massenduschen sind, sondern auch einige Imbisstände, Verkaufsbuden etc. Hier war schon eine Art Kirmes, auf der auch die Begleiter der Läufer auf ihre Kosten kamen. Tipp: Ein paar Euro auf den Lauf mitnehmen, damit die Bratwürste, Waffeln etc. nicht nur beschnuppern dürft!

Mit dem Busshuttle ging's zurück nach Eisenach ins Quartier zum Ausruhen. Abends sind wir dann noch zu siebt in ein Lokal (Das Kartoffelhaus, absolut empfehlenswert) eingefallen und haben uns dort noch gefeiert :-)

Fazit:

2008    zurück    2010