Laufen am Limit (Metrogroup-Marathon Düsseldorf, 03.05.2009)

Ich stehe am Start und will diesen Lauf. Mit geballten Fäusten zähle ich die Sekunden herunter. Düstere Entschlossenheit. Ein Zweikampf gegen 42 Km Asphalt. Er oder ich - komm doch, wenn du dich traust!

Nur blöd, dass es auf den ersten Kilometern kaum vorwärts geht. Im Block der Debütanten und Gemütlichen braucht man Geduld. Geruhsam traben wir nicht mal im 6er-Schnitt. Vorgenommen habe ich mir 5:30 min. Aber heute ist ja weniger mehr.

Wenn die Zuschauer jubeln, jubel ich zurück. Mir geht`s gut und die Menge legt sich ins Zeug. Bei Km 9, auf der Oberkasseler Brücke, ein Blick auf die Marathonspitze. Schnelle schwarze Jungs, für die sich Raum und Zeit zusammenzuziehen scheinen.

Auch ich habe meine Betriebstemperatur erreicht und spule die 5:30 locker herunter. Oh, schon Km 19? Dann kommt ja bald der Hamsterstand! Bereits an der Kurve ein lautstarkes Empfangskomitee, eine Laola-Welle, supernette Hamsterhelfer. Ich möchte, kann aber nicht alle knutschen. So erwischt es stellvertretend nur Alex L.

Halbmarathon bei 1:56, also genau im Plan. Ist der Asphalt schon besiegt? Von wegen - jetzt beginnen die Mühen der Ebene. Einerseits tut schon alles weh, andererseits ist noch kein Ende in Sicht. Ich finde wenig, woran ich mich festhalten kann. Mit einem mulmigen Gefühl, aber sogar schneller als 5:30, laufe ich auf meine persönliche Schallmauer zu.

Als Kolumbus ins Unbekannte aufbrach, fürchtete er sich vor Seeungeheuern. Meines heißt "Mann mit dem Hammer". Was wird mich jenseits der 30 Km erwarten? Die Antwort ist simpler als gedacht: Die Schmerzen nehmen drastisch zu. Droht da ein Wadenkrampf? Eine Zerrung? Warum ist mir so komisch kalt? Doch Traubenzucker und Cola, die ich mir jetzt öfter gönne, verhindern das Schlimmste. Mir geht es schlecht, aber ich komme klar. Und zwar ohne Gehpausen.

Nein, der geborene Langstreckenläufer bin ich nicht. Zu viel Schmerz. Nur meine Disziplin, ihre Umarmung und eure Unterstützung lassen mich weiter am Limit laufen. Ein Drahtseilakt, der auch auf den letzten Kilometern noch schief gehen kann. Elefantenschwere Beine hämmern auf den Asphalt. Die Laune sinkt, der Jubel nervt. Eine gute B-Note sieht anders aus.

Nicht bei Km 38, nicht bei KM 41, sondern exakt bei Km 42 bin ich mir sicher, es bis ins Ziel zu schaffen. Endspurt? Oh nein! Meine Gedanken wandern zu ihr. Nur dank ihrer Energie, ihrer Inspiration habe ich diese Herausforderung überhaupt erst angenommen. Mit ihrem Namen wird dieser Lauf verbunden bleiben.

Und dann bin ich Marathonläufer. In 3:48:52 Std. Leiden kann so schön sein.

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