
Die 100km von Biel
Angereist in die schön gelegene Stadt Biel war ich letzten Donnerstag, den 11. Juni mit dem Zug. Dort machte ich mich zuerst auf zu meiner Unterkunft, dem Hostel Lago Lodge (Geheimtipp von der Bärbel - sehr schön gelegen in der Nähe vom Bieler See, gut zu erreichen, ziemlich neu und sauber und dazu noch günstig für schweizer Verhältnisse). Nach einer kleinen See- und Stadtbesichtigung fuhr ich zum 5 km ausserhalb gelegenen Eisstadion um meine Startunterlagen abzuholen und das Start/Ziel-Terrain zu erkunden. Ausserdem gab es da noch so etwas wie eine Marathonmesse (kann man das bei 100 km überhaupt noch so nennen?), bei der ich mich mit wirklich wunderwunderschönen Biel-100km-Lauftextilien eindeckte (natürlich nur um meinen Durchhaltewillen für die lange Strecke zu stärken...). Zum Abschluss gönnte ich mir noch die obligatorische Portion super-weiche-Spaghetti-mit-roter-Soße-und-viel-zu-viel-Parmesan-obendrauf. Später, zurück am See gab es noch ein kleines Bierchen für die Nerven und dann ging es auch schon ab ins Bett.
Am Freitag Morgen machte ich noch einen kleinen Ausflug zum in der Nähe und etwas höher gelegenen Magglingen, von wo aus man bei schönem Wetter eine tolle Sicht über Biel und Bieler See bis zu den (richtigen) Bergen hat. Danach wurde nur noch geruht. Und da ich nicht die einzige 100km-Teilnehmerin war, die im Lago Lodge abgestiegen war und vorschlafen wollte, war es tagsüber dort recht ruhig. Gegen 17 Uhr fing dann das große Wettrüsten an: essen, trinken, verschiedene Beutel packen, wieder auspacken, umsortieren, einpacken, diverse Laufhosen und T-Shirts anziehen, ausziehen, wieder anziehen und zwischendurch vorsichtig durchs Fenster linsen, um festzustellen, wie weit die Kollegen denn da draussen schon so sind ....nein, nervös war ich irgendwie nicht! Als dann so gegen 18 Uhr die ersten schon das Lager verliessen, kam erste Unruhe im Hostel auf. Naja, eigentlich wollte ich ja erst so gegen 20 Uhr los, aber der Mensch ist halt ein Herdentier und besser zu früh als zu spät.... Natürlich kam ich dann auch v i e l zu früh am Eisstadion an und musste, nachdem ich meine diversen Beutel überall deponiert hatte, noch über eine Stunde Zeit totschlagen bis zum Start. Aber an Gesellschaft mangelt es ja bei einer solchen Veranstaltung nicht.
Am Abend waren es noch ca 20�C und in der Nacht sollte es auf 13-15�C herunterkühlen, dabei kein Regen und kein Wind - also optimale Bedingungen. Um 21:45 Uhr machte ich mich dann auf zum Startbereich. Die Stimmung wurde ordentlich angeheizt, indem man ununterbrochen darüber Informierte, wie viele Minuten und Sekunden es noch bis zum Start waren. Irgendwie ging dann auf einmal alles ganz schnell, viel zu schnell. Plötzlich war es 22:00 Uhr, der Startschuss fiel und schon war man auf dem Weg zurück ins hell erleuchtete Zentrum von Biel. An den Straßenrändern standen immer mehr Menschen, in den vorderen Reihen wahnsinnig viele Kinder, die ihre Hände zum Abklatschen ausstreckten. Die Stimmung war so unglaublich toll, dass ich Dauer-Gänsehaut hatte - wahnsinn!!! Als wir aus Biel herausliefen, war es schon ganz dunkel geworden und nach und nach wurden die Stirnlämpchen eingeschaltet. Bis weit in die Nacht herein standen in den Ortschaften, durch die die Strecke verlief, die Zuschauer an den Straßen, vor Wirtshäusern und Bierständen oder saßen auf irgendwelchen Mauern herum und applaudierten. Besonders in Erinnerung ist mir Aarberg geblieben. Dort liefen wir über eine alte Holzbrücke in das Städtchen hinein - hier war die Hölle los! Der ganze Ort war anscheinend auf den Beinen!
Ausserhalb der Ortschaften auf den Feldwegen hatte man bei sternenklarem Himmel und 2/3-Vollmond eine wunderschöne Sicht über die Dörfer und der Sonnenaufgang (Ende vom bösen Emmendamm) war ein Gedicht! Gänsehaut!!! Auch der Morgen ließ nichts zu wünschen übrig - strahlend blauer Himmel, schöne Landschaft und schon bald wieder die ersten Zuschauer an der Strecke, die uns anfeuerten. Um kurz nach 9 Uhr kam dann für mich der große Augenblick und ich lief in den heiligen Bieler 100km-Zielkanal ein und war sofort einen halben Meter größer. Jaaaaaaaaaaaaaaa, geschafft!
All die Trainings-Mühe hatte sich gelohnt! Allerdings konnte ich leider einen großen Teil der Strecke rund um Biel wegen Bauch- und Knieschmerzen nicht so ganz genießen.......tja, es führt wohl kein Weg dran vorbei....."irgendwann muss du nach Biel"..... nochmal. :-D
Vielen Dank auch an Bärbel und Holger, die ich mit meinen Fragen löchern konnte und die mir beide viele gute Tipps gegeben haben.